Politik ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage von starken Nerven

Jetzt heißt es wieder, die Jungen könnten es nicht. Diese Feststellung im Grundton der Überzeugung ausgesprochen konnte hören, wer nach dem Rücktritt von Christian Lindner als FDP-Generalsekretär offenen Ohres durchs politische Berlin ging. Nach dem Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg fühlen sich viele Altvordere zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit in ihrem pauschalen Urteil bestätigt. Insofern zieht der Rücktritt nicht nur die FDP, sondern auch alle Politiktreibenden diesseits von mindestens 50 Lebensjahren mit runter. Dabei ist das keine Frage des Alters, sondern eine Frage von starken Nerven. Da muss man nur an Lafontaines oder Horst Köhlers Abgang denken.

Aber in der Politik muss man erst mal seinen 50. oder besser noch seinen 60. Geburtstag gefeiert haben, bevor man nicht mehr als – bestenfalls vielversprechendes – Nachwuchstalent gilt, sondern als gestandene Kraft. Das ist in Wirtschaft, Wissenschaft, Sport und Kultur deutlich anders. Da zählt erst mal Leistung und Format, nicht Alter. Übrigens auch im Journalismus. Deswegen hat es manchmal schon etwas Ironisches, bei manchem Artikel möchte man auch sagen Zynisches, wenn Journalisten von selbst gerade mal Mitte 20 oder Anfang 30, die es schon weit nach vorne bei Bild, Spiegel, Stern oder der ARD gebracht haben, sich genüsslich süffisant über “boygroups” oder angeblichen Nachwuchshoffnungen auslassen. Das Titelbild des Stern vor einigen Wochen mit den Ministern Kristina Schröder, Philipp Rösler und Daniel Bahr im Kinderanzug als “Regierungspraktikanten” war da nur trauriges Fanal.

Ich bin nun seit über neun Jahren Mitglied des Deutschen Bundestages, Politik mache ich seit 15 Jahren, ich habe persönlich viele gute Zeiten, aber auch manch bitterböse in der Politik erlebt. Zudem nehme ich für mich in Anspruch, nach all den Jahren ein wenig Ahnung zu haben von dem, was ich tue, in der Gesundheitspolitik im Besonderen, und dort auch schon manchen Sturm bestanden zu haben.

Bewertet meine Aussagen, meine Entscheidungen, mein Handeln, meinetwegen mein Aussehen. Aber lasst doch endlich mal das Alter als wertendes Kriterium weg. Alexander der Große hatte in meinem Alter schon Indien erobert. Quasi als Nachwuchshoffnung.

2 Gedanken zu “Politik ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage von starken Nerven

  1. Hallo Herr Spahn,
    mir wäre es auch lieber, wenn Sie die indische Bevölkerung mit Ihrer Gesundheitspolitik beglücken würden.
    Ich hätte dann deutlich weniger Probleme.
    Viele Grüße und viel Spass in der politischen Versenkung (Kollege Rösler ist da schon).
    Ihr Ex-Wähler
    Dr. Jochen Ebel

  2. “Politik ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage von starken Nerven”

    Mit meinen 64 Jahren zähle ich mich schon zu den Alten.Das Nachlassen an Kondition kann ich noch durch Erfahrung wettmachen.

    Als Wähler erfahre ich den Politiker aus den Medien. Aus Bewegten Bildern, Stills, Zitaten und Kommentaren. Ich für meine Person erwarte von einem Politiker, dass er mir das Gefühl der Sicherheit, der Authenzität, des Einfühlen könnens vermittelt. ( daddy is going to take me flying).

    Wie erlebe ich persönlich Politiker z.B. Spahn, Bahr, Lindner Lauterbach, Westerwelle, Rösler, Schroeder, Bundespräsident?
    Kühl, technokratisch, am eigenen Vorteil interessiert, schmallippig, wenig Vertrauen heischend.

    Könnte mir vorstellen, dass es vielen Wählern so geht. Will damit sagen, die Polarisierung “Jung, Alt” trifft nicht das Missempfinden des Wählers.

    Also schüttel sie ihre minderwertigkeitskomplexe das Alter betreffend ab und versuchen Sympathie zu erreichen!

    Und natürlich allen Anderen auch ins Stammbuch geschrieben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Peter Krösinger

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