Gut, gut erreichbar und sicher – das Krankenhaus der Zukunft

Jedes Jahr werden in deutschen Krankenhäusern 18,6 Millionen Menschen behandelt. 80 Milliarden Euro kostet das jedes Jahr in der GKV. Trotzdem gibt es nicht wenige Kliniken, die Verluste machen und einen großen Berg an Investitionen vor sich her schieben. Hinzu kommen Diskussionen um Boniverträge für Chefärzte, unnötige OPs und Infektionen aufgrund von Krankenhauskeimen. Wir wollen die Chance nutzen und in der neuen Legislatur die Krankenhäuser wieder auf solide Füße stellen. Damit die Patientinnen und Patienten sich darauf verlassen können, optimal behandelt zu werden – gut, gut erreichbar und sicher.

Eines vorweg: Die Pflegerinnen und Pfleger, die Ärzte und diejenigen, die ein Krankenhaus leiten, geben im harten Klinikalltag mit viel Einsatz ihr Bestes. Allerdings stecken viele in Strukturen fest, die sich in den letzten Jahren immer weiter verfestigt haben und aus denen nur schwer auszubrechen ist. Das muss sich ändern, damit auch im Krankenhaus die Qualität der Arbeit am Patienten im Mittelpunkt steht.

Eine gutes Krankenhaus zeichnet sich dadurch aus, dass es die höchsten Qualitätsstandards an sich und seine Arbeit anlegt. Ein gutes Krankenhaus scheut den Vergleich mit anderen Häusern nicht, sondern sorgt für Transparenz bei seinen Leistungen. Ein gutes Krankenhaus sieht sich als lernendes System und zieht aus Fehlern die richtigen Konsequenzen.

Wir werden die Kliniken motivieren, sich auf diesen Weg zu begeben. Künftig wird ein eigenes Institut sektorübergreifend die Qualität der Behandlung in den Krankenhäusern messen. Die Länder werden in die Lage versetzt, Qualität als weiteres Kriterium bei der Krankenhausplanung einzuführen. Der medizinische Dienst der Krankenkassen kann unangemeldet Kontrollen in den Häusern zur Qualitätssicherung durchführen. Die Qualität der stationären Versorgung wird künftig aufgrund von Routinedaten von einem Institut gesammelt, das seine Berichte leicht verständlich für die Patienten veröffentlichen wird. In diese Qualitätsberichte werden auch die Meinungen der Patienten einfließen, so dass am Ende ein ehrliches Feedback für die einzelnen Kliniken steht.

In diese Qualitätsberichte wird die ganze Patientengeschichte einfließen. Heute kann nur gemessen werden, was während eines Krankenhausaufenthaltes geschieht, was danach passiert, ist nicht nachvollziehbar. Das aber widerspricht der Realität, denn ein Patient ist erst dann geheilt, wenn auch Nachsorgeuntersuchungen und weitere Maßnahmen – wie etwa Reha oder auch im Komplikationsfall – abgeschlossen sind.

Die Qualitätsberichte werden künftig auch erstmalig Einfluss auf die Bezahlung der Kliniken haben. Kurz gesagt: Wer bei bestimmten Leistungen gute Qualität liefert, soll mehr bekommen als jemand, der unterdurchschnittlich arbeitet. Das ist ein verantwortlicher Umgang mit den Geldern der Patienten und motiviert, sich und seine Leistung ständig zu hinterfragen und zu verbessern.

Krankenhäuser müssen gut erreichbar sein. Die Grundversorgung muss auch in der Fläche sichergestellt sein. Aber nicht jedes Krankenhaus muss alles machen. Als Patient ist es mir lieber dort behandelt zu werden, wo ein komplizierter Eingriff unzählige Male im Jahr durchgeführt wird, als vielleicht im nächstliegenden Haus, wo es den Eingriff nur zehn oder zwanzig Mal im Jahr gibt. Auch im Krankenhaus macht Übung den Meister.

Insbesondere Krankenhäuser in den ländlichen Gebieten leiden oft an nicht ausreichender Finanzierung. Sie leisten einen wichtigen Beitrag in der Grund- und Erstversorgung, bei Routineeingriffen und ergänzen vor allem in strukturschwachen Regionen immer mehr die ambulante Facharztversorgung. Wir wollen, dass das auch so bleibt. Deshalb sollen dort künftig verstärkt Sicherstellungszuschläge bezahlt werden, um diese Häuser zu stärken.

Vielerorts scheitert die Umstrukturierung am Widerstand vor Ort. Wenn ein Krankenhaus geschlossen oder anderweitig genutzt werden soll, geht ein großer Aufschrei durchs Land. Dabei wird in Regionen, in denen Häuser zusammengelegt und Kompetenzzentren geschaffen werden Erfolgsgeschichte geschrieben. Wir wollen den Abbau von Überkapazitäten, die Konzentration von Krankenhausstandorten und die Umwandlung von Krankenhäusern in lokale Versorgungseinrichtungen wie MVZs, Gesundheits- oder Pflegezentren mit einem Investitionsfonds in Höhe von 500 Millionen Euro unterstützen. Wir sind der festen Überzeugung, dass am Ende dieses Prozesses ein besseres Angebot für die Patientinnen und Patienten stehen wird.

Ein sicheres Krankenhaus führt nur Operationen durch, die medizinisch notwendig sind und nicht, um das eigene Budget aufzubessern. Ein sicheres Krankenhaus gewährleistet, dass Mittel für Personal auch tatsächlich für Personal ausgegeben werden. Ein sicheres Krankenhaus überprüft neue Produkte und Verfahren auf ihre Sinnhaftigkeit und Sicherheit.

Bei der Sicherheit haben wir uns auf ein Zweitmeinungsverfahren geeinigt. Patienten werden künftig die Möglichkeit haben, vor einer Operation eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen. Über diese Möglichkeit müssen sie mindestens zehn Tage vor der Operation aufgeklärt werden. Die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz für Patienten und hilft, unnötige Eingriffe zu vermeiden.
Um die Personalsituation in den Kliniken zu verbessern, müssen die Krankenhäuser ab jetzt nachweisen, dass das Geld für Personal, das in den DRG-Fallpauschalen enthalten ist, auch tatsächlich für Personal verwendet wird.

Dass Krankenhäuser, die neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden anwenden, an Studien teilnehmen müssen und für Implantate ein Register eingeführt wird, hilft Skandale wie beim Rob-o-doc oder den gefälschten PIP-Brustimplantaten zu verhindern.
Mit diesen Maßnahmen werden wir dafür sorgen, dass die Krankenhäuser in Deutschland ihre hohen Standards noch weiter ausbauen. Gut, gut erreichbar und sicher – das ist die Zukunft der deutschen Krankenhäuser.

Bild: © Martin Büdenbender / pixelio

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *